Bildung: Lernen im Schlaf - keine Utopie

Unausgeschlafen? - Plädoyer für eine neue Schlafkultur

Lernen im Schlaf

Bild: Lernen im Schlaf. Gute Bildung verlangt nach guten Schlaf - schlafen, und zwar lang genug. © nimkenja / PIXELIO

Schlaflose Gesellschaft” - so der Titel eines Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Psychatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, das Anfang Oktober in Berlin stattfand.

Die Bilanz der Experten: Viele Menschen bekommen im hektischen Alltag zu wenig Schlaf, worunter das körperliche und seelische Gleichgewicht leidet. Bei Kindern gilt Schlafmangel inzwischen als Auslöser für  das “Zappelphilipp-Leiden” ADHS.

Wieviel Schlaf braucht ein Kind?

Eine Studie aus Finnland lies vergangenes Jahr die Kinderärzte aufhorchen: Sieben- und Achtjährige, die mit 7,7 Stunden zu wenig Schlaf für ihr Alter bekamen, waren erheblich zappeliger als Normalschläfer.

Der Freiburger Somnologe (Schlafforscher) Dieter Riemann ist der Meinung, daß einige Kinder mit ADHS vielleicht unerkannte Langschläfer sind, die nicht genug Zeit zum Schlafen bekommen.

Der  Schlafmangel der Kinder zeigt sich durch gesteigerte Impulsivität, Konzentrationsschwäche und Tagesmüdigkeit, so führte Oskar Jenni vom Universitäts-Kinderspital  Zürich aus. Der Schlaf hilft den Schülern vor allem bei der Gedächtnisbildung: Das Gehirn festigt dann jene Lerninhalte, die es sich zuvor angeeignet hat. Gerade der lange Schlaf ermöglichen ihnen die “extremen Fähigkeiten beim Lernen”, sagt der Lübecker Jans Born.

In Steinfurt im Münsterland geht man mit der Stressberaterin Gerlinde Lamberty neue Wege. Für einige Fünft- und Siebtklässler gehören Beruhigungsmusik und orangefarbene Isomatten zum Unterricht. Sie übt mit den Kindern Entspannungstechniken und klärt über den Wert des Schlafens  auf.

Die Experten empfehlen zehn bis elf Stunden Nachtruhe für Grundschüler, für Zwölfjährige im Durchschnitt neuneinhalb Stunden. Nur 8% der Jugendlichen schlafen unter der Woche so viel wie die Empfehlungen der Schlafmediziner sind.

Schulbeginn eine halbe Stunde nach hinten verschoben brachte einen erheblichen Fortschritt: Ausgeschlafene SchülerInnen und damit verbundene Leistungssteigerung

Mehr Bildung duch längeren Schlaf

Bild: Mehr Bildung duch längeren Schlaf. Steigerung der schulischen Leistung um 34% bei einer halben Stunde mehr Schlaf. © Karin Jung / PIXELIO 

Pubertierende werden von Natur aus später müde und werden deshalb morgens nicht rechtzeitig wach. Die St. George`s School in Middletown hat diesem Rhythmus Respekt gezollt: Der Unterrichtsbeginn  wurde von 08:00 auf 08:30 Uhr verschoben. Es zeigte Wirkung: Nur ein Sechstel der 201 untersuchten Teenager hatte zuvor mindestens 8 Stunden geschlafen, nach der Umstellung waren es über die Hälfte.

Die Bildungschancen steigen mit der Leistungsfähigkeit der SchülerInnen.

Die SchülerInnen erwiesen sich als aufmerksamer, waren weniger trübsinnig und gingen seltener zum Schularzt. Lehrer und SchülerInnen forderten mit Erfolg den permanenten späteren Schulbeginn!   :-)

- Tipp für Bildungseinrichtungen zur Verbesserung der Ergebnisse der nächsten PISA-Studie  -

Eine Statistik in Deutschland hat vor 4 Jahren gezeigt, daß “Eulen “, die von Natur aus später einschlafen bedeutend schlechtere Abiturnoten erhielten als früh aufstehende “Lerchen”.

Resümee: Als Gesundheitsvorsorge sollten Schlaf und Entspannung denselben Stellenwert verdienen wie ausgewogene Ernährung und Bewegung!

[Quelle: DIE ZEIT Nr. 44 Wissen / 28. Oktober 2010]

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