Bildung: Abiturienten hatten ihren “Meister” gefunden

Fritz Fegebank geht in Pension

Fritz Fegebank, eine Lehrerpersönlichkeit mit tiefverankertem Idealismus wird pensioniert.

Gute Bildung und menschenfreundliche Erziehung

Bild: Gute Bildung und menschenfreundliche Erziehung. Alte Schulbänke in freundlichem Ambiente. Fritz Fegebank hatte immer ein offenes Ohr für die Schüler. © Peter A. / PIXELIO 

Er hatte immer ein offenes Ohr

Es klopft an die Scheibe des Lehrerzimmers - Fritz Fegebank geht nachsehen und öffnet dann die Tür. “Ich habe Ihr Auto gesehen, da habe ich gedacht, ich komm mal vorbei.” Fritz Fegebank freut sich über jeden, der ans Fenster klopft - und es klopft oft jemand. Schüler und Schülerinnen, die irgendwann mal bei ihm Unterricht hatten. Sie kommen und plaudern ein bisschen und erzählen von ihrem Studium. “Abi 2003″ sagt Fritz Fegebank, nachdem der junge Mann gegangen ist.

Er erkannte alle  Schüler noch nach Jahren

Rund 2500 junge Menschen haben während seiner 40-jährigen Dienstjahre, davon 38 Jahre am Gymnasium Buckhorn, Hamburg, das Abitur gemacht. Fritz Fegebank kennt sie alle,  ” ich muß nur kurz die Stimme hören, dann fällt mir der Name und der Jahrgang wieder ein - und die Abi-Note.” Im Kollegium vermuten sie, daß er ein fotografisches Gedächnis habe - oder ein Superhirn.

Eigensinnig und beliebt bei Lehrerkollegen und Schülern

Wenn Fritz Fegebank, 65, Oberstufenkoordinator und Lehrer für Latein, Geschichte und Philosophie in den Ruhestand geht, dann geht ein Lehrer, der für seine Starrköpfigkeit und Pedanterie berühmt war. “Auf der Spitze der langen und etwas krummen Nase trägt er meist seine Brille mit halben Gläsern, die den Eindruck vermittelt, ihm entgehe nichts, weil er doppelt wahrnimmt: durch die Gläser und obendrüber.” Ein schrulliger, alter Lehrer möchte man meinen und dessen Pensionierung von den Schülern begrüßt würde.

“Die Realität sieht anders aus. Fritz Fegebank, der Pedant, der Preuße, der Hundertprozentige, ist der beliebteste Lehrer am Gymnasium Buckhorn.” Manche Schüler sagen, er sei der beste.

Fritz Fegebank - der Mensch

Lange tobte in Hamburg der Streit um die neue Schulreform des schwarz-grünen  Senats, doch diesen Regierungsplänen haben die Bürgen der Stadt eine Abfuhr erteilt. Eine Debatte, aus der Fritz Fegebank sich heraushält - seine Tochter Katharina ist Landesvorsitzende der Hamburger Grünen. Diplomatisch meint er: “Ich bin gerne Gymnasiallehrer“.

Der Mensch, die Lehrerpersönlichkeit, an den man sich noch nach Jahren erinnert, weil er es verstanden hat, zu berühren, ohne an Respekt einzubüßen; jemand, der Wege aufgezeigt hat. Einer wie Fritz Fegebank, dem es egal ist, welche methodischen Feinsinnigkeiten gerade angesagt sind, der danach handelt, was sein Gefühl und sein Verstand ihm sagen, nicht das pädagogische Lehrbuch.

Fritz Fegebank gibt gern den harten Knochen, doch dahinter verbirgt sich ein Menschenfreund: Egal ob Lehrer oder Schüler - alle loben sein offenes Ohr, die Möglichkeit mit ihm zu reden, ihn anzurufen, egal wie spät es ist. Fegebank gilt als gradlinig und äußerst fair, eine seiner Stärken ist es, niemanden abzuurteilen. “Man muß bei ihm nicht gut sein, damit er einen mag”, sagt eine seiner ehemaligen Abiturientinnen, “man muß sich Mühe geben, wenn er das spürt, dann kämpft er für und mit jedem einzelnen Schüler”. Er kann durch seine enorme Sachkenntnis und übergreifendes Allgemeinwissen begeistern. In Geschichte etwa lässt er kunsthistorische , gesellschaftspolitische und weltpolitische Aspekte einfließen, also in kurzer Zeit sehr viel vermitteln, das fessle die Schüler, so Schulleiter Wolfgang Gerhard.

Eine gute Nachricht zum Schluß: Fritz Fegebank behält die Leitung der Schach AG und des Mädchen-Fußballs. :-) 

[Quelle und nicht anderweitig gekennzeichnetet Zitate: ZEIT MAGAZIN, Nr. 31, 29.07.2010]

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