Gewaltprävention als Schulkonzept
Laut einem Bericht der Gemeinschafts-Hauptschule Westerkappeln/Lotte (Ganztagsschule) kann Gewaltprävention auch Spaß machen uns dabei noch sehr effektiv sein. An dieser Schule lernen und arbeiten rund 550 Menschen vom Morgen bis zum späten Nachmittag zusammen. Die eher ruhige und familiere Atmosphäre dieses Hauses erklärt sich aus der Einsicht, daß Gewaltprävention immer Vorrang hat.
Ein fester Klassenraum wird hier als “pädagogische Heimat” definiert. Ein Klassenlehrer ist hier eine “stabile Größe”, zumal er nicht nur unterrichtet, sondern den Klassenverband mindestens 12 Stunden pädagogisch stärkt. Klassenlehrer, Beratungslehrer, Vertrauenslehrer und Schulsozialarbeiter kennen sich und die Schüler und arbeiten eng zusammen. Immer nach dem Motto: “Erziehen, unterrichten, beraten”.
Unterricht und Sportangebote sowie Kreativ- und Entspannungsangebote in Arbeitsgemeinschaften wechseln sich ab, denn Konzentrationsfähigkeit kann niemand den ganzen Tag über aufbringen. Auch die Mittagspause ist nicht nur zum Essen da, 5 Lehrer stehen für Pausenangebote wie Sport, Tanzen oder Lesen in der Biblothek zur Verfügung. Die Schüler lernen nicht nur miteinander, sie Leben miteinander.
Natürlich gibt es auch Meinungsverschiedenheiten. Damit konstruktiv umzugehen lernen die Schüler z.B. im Sozialtraining, wofür 1 Jahr lang 2 Wochenstunden eingeplant sind, in denen der Klassenlehrer nur als Beobachter fungiert.
Ein Kollege, der an einer Fortbildung nach dem Modell zweier Psychologen teilgenommen hat, trainiert beispielsweise, Körpersprache und Gesichtsmimik einzuordnen. Auch der konstruktive Umgang mit Konflikten gehört dazu. Viele Schüler lassen sich zu “Streitschlichtern” ausbilden und bemühen sich zu verhindern, daß sich ein Konflikt hochschaukelt.
Ab der 6. Jahrgangsstufe ändert sich das soziale Training. Man fragt sich evtl. “welcher Lerntyp bin ich”? Es werden Methoden vermittelt, das Lernen zu erleichtern und Stress und Leistungsdruck abtzubauen.
Wichtig ist auch immer, mit den Eltern in Kontakt zu bleiben, denn Eltern und Lehrer wollen ja beide, daß das Kind die Schule gut meistert und erwachsen wird. Dieses Konzept wird auch in den Jahrgängen 7 und 8 fortgesetzt mit den zusätzlichen Themen wie Suchtgefahr und Rauchen oder Liebe und Freundschaft.
In den Klassen 9 und 10 bestimmt die anstehende Berufsorientierung das Coaching durch Lehrer und Berufsfachkräfte, wozu auch in der 10. Klasse die Berufspraktia beitragen. Immer aber auch sollte nicht vergessen werden: “Auch wenn ich eine 5 in Englisch geschrieben habe, bin ich ein wertvoller Mensch, und es ist egal was ich mache, wenn ich in meinem Beruf zufrieden bin.” Wenn ein Schüler dieses verinnerlicht, ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.
Dieses Modell kann nur mit einem engagierten und motivierten Kollegium und in Zusammanarbeit mit dem Jugendamt, der Polizei und nicht zuletzt mit einem geeigneten Jugendtreff funktionieren.
Achtsamkeit und Wertschätzung, sowie Zeit für unsere Kinder sind die wichtigsten Voraussetzungen, um Aggressionen zu verhindern.
[Quelle: Borkener Zeitung 22.07 .2010]
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