Krankmachende Gewaltstrukturen - Belastungen auf verschiedenen Ebenen
Krankmachende Gewaltstrukturen wurden bereits in unseren bisherigen Einschätzungen mehrmals dargestellt. Deshalb ist es heute unser Thema, wie Belastungen auf verschiedenen Ebenen, speziell an Schulen und damit natürlich auch bei Klassenfahrten, entstehen können.
Bild: © by-sassi / PIXELIO. Pädagogen / Lehrer leiden nicht nur gebrochenem Herzen in Folge von krankmachenden Gewaltstrukturen. Unter anderem deshalb setzt sich Aurelia eV für Gewaltprävention ein.
Der steigende Erwartungsdruck, vorwiegend für Lehrer und Lehrerinnen, stellt für diese eine große Herausforderung dar.
1. Es gibt zunehmend schwierigere Schüler und Schülerinnen (zunehmende Gewaltbereitschaft), ohne daß ausreichend Schulspychologen oder Sozialpädagogen dafür zur Verfügung stehen.
2. Die Anspruchshaltung der Eltern, die sich oftmals auch in Agressivität äußert, ist auch an Schulen ein ziemliches Problem. Man erwartet von Lehrern, alles im Griff zu haben; “nur Unterricht geben” ist nicht mehr genug. Auch Erziehungsarbeit bei Klassenfahrten wird leider als selbstverständlich vorausgesetzt.
3. Auch fehlen den Lehrern Erholungsmöglichkeiten, die selbst auf Klassenfahrten nicht gegeben sind. Sehr oft gibt es da Probleme z.B. mit Alkoholmißbrauch oder auch zwischen Schülerinnen und Schülern. Durch stundenlanges “am- Stück-arbeiten” (die Pausen sind ebenfalls mit Lärm, Aufsicht oder Arbeit - z.B. Kopieren oder Absprachen ausgefüllt) ist kein “Abschalten” möglich. Eine Änderung wäre dringend nötig.
4. Ausserdem gibt es auch oft fehlende Anerkennung für die Mühen oder gar Mißachtung in der Öffentlichkeit, von Vorgesetzten, Eltern oder eben von Schülern und Schülerinnen.Um es nochmals zu erwähnen, was Lehrer auch bei Klassenfahrten leisten müssen, ist nicht hoch genug anzuerkennen.
5. Sowohl fremdbestimmte als auch eigene erhöhte Erwartungen der Lehrkräfte an das Berufsbild steigern den Leistungsdruck und verursachen oft sogar ein schlechtes Gewissen.
Es darf nicht verwundern, daß all diese Belastungen über Jahre hinweg zu berufsspezifischen Krankheitsbildern wie folgt führen können:
“a) Schwächung des Immunsystems durch Ärger, Kränkung und Enttäuschung
b) Erschöpfung, Reizbarkeit
c) Resignation oder Überverausgabung (Workaholic)
d) Bluthochdruck
e) Tinnitus
f) Versagensängste
g) Schlaflosigkeit
h) Magengeschwüre
i) Suchtkrankheiten usw. ” [Judith Barnickel]
Auf der Suche nach Auswegen oder Veränderungen ist es höchste Zeit, den Schulalltag grundlegend umzustrukturieren und vor allem die Eltern mit einzubeziehen. Nicht zu vergessen, daß die Erziehung der Kinder eigentlich schon mit Ende der Kindergartenzeit abgeschlossen sein sollte. Nur so wären Lehrer und Lehrerinnen entlastet und könnten sich definitiv besser und mit mehr Freude der Vermittlung des Lernstoffes widmen. Auch Klassenfahrten würden dann problemloser verlaufen und mit purer Lust angetreten werden.
[Quelle: Artikel von Judith Barnickel, Lehrerin in Nürnberg - Selbstverteidigungslehrerin]